Die Evolution des Webs und das Gewicht der Bilder
Die erste Website der Geschichte, im August 1991 von Tim Berners-Lee vom CERN aus veröffentlicht, enthielt nicht ein einziges Bild. Es war reiner Text mit unterstrichenen Links, der erklärte, was dieses Projekt namens „World Wide Web" eigentlich war. Gut dreißig Jahre später lädt eine durchschnittliche E-Commerce-Produktseite allein an Bildern über zwei Megabyte. Dies ist die Geschichte davon, wie wir von dem einen zum anderen kamen — und warum das Gewicht der Bilder für jeden, der heute eine Website betreibt, nach wie vor die einzelne Variable ist, die die Geschwindigkeit einer Seite am häufigsten ausbremst.

1991-1995: ein Web für 2400-Baud-Modems
Die ersten grafischen Browser — Mosaic 1993, dann Netscape Navigator 1994 — erlaubten zwar das Einbetten von Bildern, doch der technische Rahmen erzwang eine brutale Disziplin. Ein typisches Heimmodem von 1994 übertrug mit 14,4 oder 28,8 kbit/s. Ein einzelnes JPG-Bild mit 100 KB, das wir heute als winzig einstufen würden, konnte bei dieser Geschwindigkeit fast eine Minute zum Laden brauchen. Das Ergebnis: Websites jener Zeit setzten Bilder tröpfchenweise ein, fast immer als GIF mit 256 Farben (leichter als JPG bei einfachen Grafiken), und jede echte Fotografie wurde zugeschnitten und aggressiv komprimiert. Die „verpixelte" Ästhetik, die wir heute mit den 90ern verbinden, war keine gestalterische Entscheidung — sie war die einzige Option, die die Bandbreite zuließ.

1995-2005: Breitband, und das Bild hört auf, ein Luxus zu sein
Mit dem Einzug von DSL und Kabel in die Haushalte änderten sich die Spielregeln. Anfang der 2000er unterstützte eine durchschnittliche Heimverbindung bereits Hunderte von kbit/s oder mehr, und Websites begannen, sich als visuelle Kataloge zu verstehen, nicht mehr nur als Dokumente mit Links. Amazon, eBay und die ersten Onlineshops erkannten schnell, dass ein Produktfoto besser verkaufte als eine Beschreibung — und die Seiten füllten sich mit Bildern, ohne dass sich jemand groß um deren Gewicht sorgte, weil das Breitband alles zu lösen schien. Dieser Optimismus schuf eine Gewohnheit, die sich bis heute nur schwer ausrotten lässt: das Foto direkt so hochzuladen, wie es aus der Kamera oder dem Handy kommt, ohne Kompression, denn „es gibt ja sowieso kein Dial-up mehr".
2007-2015: Das Smartphone verändert alles (schon wieder)
Das iPhone im Jahr 2007 und die Welle von Smartphones, die ihm folgte, ließen dasselbe Problem der 90er wieder aufleben — nur diesmal umgekehrt: Die Verbindung war jetzt wieder begrenzt (3G, mobile Daten mit Tarifen pro Megabyte), genau in dem Moment, als sich Websites daran gewöhnt hatten, im Festnetz mehrere Megabyte zu wiegen. Die Antwort der Branche war responsives Design (der Begriff wurde 2010 von Ethan Marcotte geprägt) — dass sich ein und dieselbe Website an jeden Bildschirm anpasst — und, etwas langsamer, die Idee, Bilder in unterschiedlicher Größe je nach Gerät auszuliefern, statt dasselbe Desktop-Foto an einen Mobilbildschirm zu schicken, der es weder braucht noch vollständig darstellen kann.
2015-heute: Google beginnt, Geschwindigkeit zu messen, und plötzlich zählt sie
Die entscheidendste Veränderung des letzten Jahrzehnts war nicht technischer, sondern struktureller Natur: Google begann, die Ladegeschwindigkeit als Rankingfaktor zu nutzen, und formalisierte dies 2021 mit den Core Web Vitals — konkreten Kennzahlen wie LCP (Largest Contentful Paint, wie lange es dauert, bis das größte sichtbare Element gerendert wird, fast immer ein Bild), die sich direkt auf das SEO auswirken. Mit einem Schlag war ein gut komprimiertes Bild nicht mehr nur „Best Practice", sondern etwas mit messbarem Einfluss darauf, wie viel Traffic eine Website erhält. Das ist der Grund, warum es Tools wie dieses gibt: Es ist kein Designtrend, sondern das Gewicht von Bildern ist zu einer geschäftsrelevanten Kennzahl geworden.
Bildtrends 2026
Vor diesem historischen Hintergrund lässt sich so zusammenfassen, wie Bilder im Web aktuell, im Jahr 2026, genutzt werden:
- AVIF und WebP als Standard, nicht als Ausnahme. Noch vor ein paar Jahren erforderte das Ausliefern dieser Formate eine sorgfältige Prüfung der Browser-Kompatibilität. Heute ist die Unterstützung praktisch universell, und die Frage lautet nicht mehr „Kann ich WebP verwenden?", sondern „Warum liefere ich überhaupt noch standardmäßig JPG aus?".
- Weniger generische Stockfotografie, mehr KI-generierte oder KI-bearbeitete Inhalte.Nicht nur, weil es billiger ist (auch das), sondern weil es besser zu Marken passt, die eine eigene Ästhetik wollen, statt desselben Bilds lächelnder Menschen im Büro, das alle verwenden.
- Vertikale Formate als Standard. Der Großteil der Nutzung erfolgt mittlerweile mobil, und die Bildgestaltung — für soziale Netzwerke, für Banner, für Miniaturansichten — wird zuerst vertikal gedacht (9:16, 4:5) und erst danach an horizontal angepasst, genau umgekehrt zu vor einem Jahrzehnt.
- Natives Lazy Loading als Standard. Das HTML-eigene Attribut
loading="lazy", ganz ohne Bibliotheken, ist zur Norm geworden, um Bilder nicht zu laden, die der Nutzer ohnehin nie zu sehen bekommt. - Konstanter Druck, das Gewicht zu senken, nicht die Auflösung zu erhöhen. Bildschirme werden weiterhin besser (höhere Pixeldichte, mehr HDR), doch der eigentliche Trend in der Webproduktion ist entgegen dem, was man erwarten könnte: stärker komprimiert exportieren, nicht weniger, weil die Kosten der Datenübertragung und die Auswirkung auf die Core Web Vitals stärker wiegen als der marginale visuelle Gewinn einer etwas schärferen Datei.
Wenn deine Website noch unkomprimierte JPG- oder PNG-Dateien ausliefert, ist das der einfachste Ansatzpunkt, um Geschwindigkeit zu gewinnen: komprimiere deine Bilder hier, im Browser, ohne irgendetwas auf einen Server hochzuladen.



